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KAJAK & KANU - Das traditionelle Paddeln beim KVU
75 Jahre KVU heißt 75 Jahre Kanuwandersport im KVU, heißt 75 Jahre
gemeinsam aber auch alleine zwanglos paddeln. Keine Stoppuhr im Nacken, keine
antreibender Trainer, nur die eigene Lust und Freude am Kajaksport, die
Herausforderung der - aber auch die Liebe zur Natur, die Möglichkeiten einer
ruhevollen Meditation im Kajak draußen - abgeschieden von der Hektik des
Arbeitstages.
Über viele Jahre - sicher besonders in den letzten 25 Jahren - war der KVU
geprägt von dieser Individualität. Sicher nicht unbedingt fördernd für die
Prosperität des gesamten Vereins, als die anderen Seiten des geselligen aber
auch wettkampforientierten Brachlagen. Aber nun da diese Seiten wieder wohl und
erfolgreich vertreten sind, können wir auch mit Stolz diese traditionelle Seite
des KVU pflegen.
Denn der KVU hat es in sich: Ein beneidenswertes Revier. Für den beginnenden
Paddler bietet sich mit der Geeste ein immer noch geschütztes Gewässer an,
wenn gleich wir immer daran denken müssen, der Verein liegt in einem
Hafengebiet an einer Seeschifffahrtsstraße mit allen gefahren eines tiefen
strömenden Gewässer, dass durch Kaimauern eingefasst sicher höhere
Anforderungen stellt als ein stehendes Binnengewässer.
Trotzdem. Bald hinter dem Tidesperrwerk beginnt die Geeste recht gemütlich
durch die Marsch zu fließen und gibt dem Paddler reizvolle weite Blicke in die
Wiesenlandschaft. Es gibt nahe und ferne Ziele an diesem Gewässer, sei es die
Schiffdorfer Stauschleuse, die Brücken bei Bramel oder gar Kührstedt, Lintig
oder Bederkesa. Und wer will kann dem Geeste-Elbe-Schiffahrtsweg bis zur Elbe
folgen .... Start für viel größere Unternehmungen.
Wenn die Geeste im Verlauf des Kanals als breiter Binnenschiffsfluss mit anderer
Berufs- und Freizeitschifffahrt geteilt werden muss, so kann man oberhalb der
Mündung des Bederkesa-Geeste-Kanals nordöstlich von Sellstedt durchaus den
Kleinfluss Geeste erleben. Beliebt ist da ein Start an der Brücke Köhlen -
Geestenseth. Die Geeste ist unser Fahrtgewässer beim Anpaddeln und bei der
Anfahrt zum Lampion Fest in Bad Bederkesa.
Abwechslung bietet auch das zweite größere Binnengewässer, die Lune. Noch
kann man - z.B. vom Vereinsgelände des KCB an der sogenannten neuen
Luneschleuse aufwärts fahren Richtung Loxstedt Düring, wo ein netter
Uferstreifen am Zeltplatz zur Pause einlädt (was uns die Pläne zur
Gewerbeansiedlung auf der Luneplate in Bezug zum Altarm der Lune bringen werden,
bleibt abzuwarten).
Der Kenner kennt auch die 2. Verbindung zwischen Alter und Neuer Lune: Auf 1:50
000er Karten findet man einen westlich der Alten Luneschleuse gelegenen Graben,
der beide Läufe verbindet.
Ansonsten bietet der Oberlauf der Lune ab der Brücke Beverstedt Stubben
lieblichen Buschflussgenus mit einigen kleinen Sohlschwellen. Hetthorn ist ein
weiterer Startpunkt für eine Tour stromab - man setzt in den Graben hinter den
Häusern ein, an der Brücke des Wanderweges nach Düring. Am Ende der Neuen
Lune - am Schöpfwerk ist zwar eine schöne Rampe, aber der Weg zur Straße ist
versperrt. Also bleibt für das Aussetzen nur die Straßenbrücke Büttel
Neuenlande.
Man muß schon sicher paddeln können. Nur dann sollte man sich auf das
Großgewässer vor der Tür trauen: die Weser. Schon die Ausfahrt aus der Geeste
mit Kaimauern,
Schiffsverkehr, der Weserfähre insbesondere, dem Weserlotsen zumal, die vielen
Seglern auf dem Weg von oder zur Doppelschleuse ist eine Herausforderung. Der
Querstrom der Weser an der Mole haut unversehens rein, sobald man aus den
schützenden Mauern herauspaddelt. Rechtsfahrgebot. Naja.
Solange man sich außerhalb des Fahrwassers hält, kann man auch auf der
Bremerhavener Seite gen Nordenham fahren. Etwas gefahrloser als am Nordenhamer
Ufer. Ja jetzt fahren wir Richtung Strohausen, der 1 Weserinsel weserauf. Aber
wir merken: Der Weserstrom gebärdet sich kraftvoll, zumal wenn wir bei halber
Tide im vollen Strom fahren. Presswasser mit Wellenbildung wandern im Strom je
nach Tide. Es empfiehlt sich die Spritzdecke geschlossen zu halten und
Sattelfest beim Paddeln zu sein. Dafür verdoppelt der Tidestrom die
fahrtgeschwindigkeit locker. Eineinhalb Stunden bis zu unserem ehemaligen
Zeltplatz auf der Insel - kein Problem. Eine Stunde bis zur Bratwurst am
Dedesdorfer Strand - normal. In einer Tide von Bremerhaven nach Farge - schöne
Sommertour.
Ja, die Weser treibt den Paddler - wenn er es richtig einrichtet - sowohl
flussauf wie flußab. Unbegreiflich für Binnen - Landratten. Aber wir von der
Küste wissen das zu nutzen. Die Unterweser ist Ziel einer KVU Familienfahrt
(mit Übernachtung in Strohausen) und einer LKV-Fahrt, der traditionellen
Unterweser-8 rund um Strohauser Plate und Harriersand. Die „Königsregion"
für Küstenpaddler ist die Außenweser. Da wendet man an der Geestmole
sehnsüchtig den Blick hinaus in die Weite - Langlütjen I + II, die
Watteninseln querab von Columbuskaje und Containerterminal, die Leuchtfeuer auf
dem Watt jenseits, weit draußen die Ufer von Fedderwarden... Dorum, Wremen ...
Man kann von Bremerhaven auf der westlichen Seite jenseits des Fahrwassers mit
dem Strom hinaus fahren zum Suezpriel, auf dessen Südufer das Sandwatt beginnt
(das Nordufer ist bereits Zone 1 des Nationalparks und darf als Vogelschutz-
bzw. Robbenschutzgebiet nicht betreten werden). Der Suezpriel war immer schon
beliebtes Ausflugsgebiet der Segler und Paddler - quasi Privatstrand.
Der Könner, der sich sowohl seiner Paddelfähigkeiten sicher sein kann als auch
der genauen Revierkenntnis und er Einschätzung der Wetterlage, wagt Touren zum
Leuchtturm Robbenplate, Hoher Weg oder gar weiter - dann aber als Mehrtagestour
mit Zeltstützpunkten in Fedderwarden, Neuwerk, Cappeln Neufeld oder Spieka
Neufeld.
Die Außenweser ist eine Entdeckung der ganz besonderen Art - ein
unvergleichlicher Naturraum mit seinem Wechselspiel zwischen weiter
Wasserfläche und schmalen Wasserlaufen in weiten Sandbankarealen. Man sollte
sich immer bewusst sein, das wir uns hier in einem fragilen Naturraum bewegen.
Gerade zur Mauserzeit der Brandenten im späten Sommer muss man sehr sensibel
seine Routen planen. Auch Robbenbänke sollte man nur mit großem Abstand
passieren. Im Interesse eines ungestörten Miteinanders von Fauna und Mensch
sollte man kundig machen, wie man sich im Nationalpark Wattenmeer bewegt. Das
hilft, auch für die Zukunft des Bild des verschwindend geringen Störpotentials
der Paddler zu festigen.
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