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Stikine - indianisch: der große Fluss

Ist schon ein bisschen her. Ich wollte eigentlich nach Grönland. Hatte das
auch bei ein paar meiner alten Studienkollegen in Braunschweig bei einem
Diaabend kundgetan und es hatte sich etwas rumgesprochen - ich suchte mal wieder
Mitfahrer.
Erfolglos. Bis Weihnachten meldete sich keiner mit ernsthaftem Interesse.
Damit war wegen der notwendigen Vorbereitungszeit die Idee erst mal gestorben.
Im Februar ruft mich dann Henning an. Fragt nach Grönland und meinen Plänen.
Aber das war ja nun schon begraben. Alternativen wurden kalkuliert - Henning
wollte etwas machen, wo seine Frau nicht mitkommen würde - und die hatte mit
ihm schon einiges in der Welt unternommen - jetzt hatte sie keinen Urlaub ,aber
Henning musste seinen Urlaub nehmen.
Was kann es für eine Alternative zu Grönland geben. Direkt keine. Aber
Kanada und Alaska haben auch Interessantes zu bieten. Hennings Prämisse für
eine lange Flusstour war: Keine Straße, keine Siedlung in der Nähe. Intensives
Kartenstudium und die verfügbaren Informationen führten uns durch ganz Kanada
und Alaska - erst mal nur mit dem Finger auf der Landkarte: aber da ist ein
Fluss der uns überzeugt - Stikine.
Er entspringt auf einer über tausend Meter hohen Hochfläche, dem Spatsizi
Plateau. Und er von dort fällt über mehr als 600 km bis aufs Meeresniveau.
Dabei durchfließt oder fast besser durchdringt er eine mehr als 100 Km lange
Schlucht in der er manchmal bis auf wenige Meter zusammengedrückt quasi
hochkant fließt. Schließlich mündet er im Pfannenstiel, dem Panhandle von
Alaska in der Mitte der berühmten Insidepassage.
Etliche Herausforderungen stehen vor, während und nach der eigentlichen
Flussbefahrung auf dem Programm. Will man den Stikine ganz befahren muss man
sich einfliegen lassen. Will man den Canyon umfahren - und bisher hat mir keiner
verlässlich von einer gelungenen Befahrung erzählt - dann muss man mitten in
der Wildnis an der einsamen und einzigen Brücke, der des
Stuart-Cassier-Highway, sich irgendein Gefährt besorgen, das einen nach
Telegraph Creek ans Ende der Schlucht bringt, dem einzigen Ort am Stikine.
Schließlich, wenn man unten ankommt, in Wrangell in Alaska, muss man auch
wieder wegkommen, das ist aber sicher für amerikanische Verhältnisse ein
kleines Problem, oder?
Wir sind losgezogen. Nur ein Ticket der LTU von Frankfurt nach Vancouver und
zurück. Und einem alten GFK-Boot und einem alten Spezi L von Metzeler, jenem
unvergessenen Schlauchbootkajak, dessen Stauraum einen zum absoluten
Minimierungsexperten für Ausrüstung werden lässt. Aber es ist ein Kajak. mit
richtigem Süllrand und richtiger Spritzdecke und richtiger Kajakform.
Wir wussten nur, in Smithers gibt's Tom Britton, der hat die Central Mountain
Air mit ein paar Wasserflugzeugen. Irgendwo in Iskut weiter oben am Stuart
Cassier Highway gibt's noch jemand mit einer Beaver. Wir hatten ein paar Karten
von British Columbien, die zeigten eine Eisenbahnlinie bis Smithers und weiter
rauf. Die sollte einmal bis Dease Lake gebaut werden, nördlich von Smithers war
sie nur gestrichelt eingezeichnet. Aber bis Smithers könnte es ja einen Zug
geben. Außerdem, bis Smithers soll man auch fliegen können, aber ob die ein
Kajak mitnehmen? Leihwagen? Letzte und schlechteste Möglichkeit Wir kommen ganz
woanders an als wir starten. 4 Wochen würde der Wagen im Nirgendwo stehen, wir
müssten Zahlen und hätten nichts davon.
Egal, es wird sich schon was finden. Es findet sich immer irgendwie. Auch in der
Wildnis.
Der Flug nach Vancouver ist phantastisch, Grönland bietet einen phantastischen
Anblick. Das muss noch mal mein Ziel sein. Auch der Flug über Kanadas Norden
begeistert uns wenn nicht immer die Flugbegleiter uns auffordern würden, das
Fenster zuzumachen. Scheiß Filme.
Vancouver kommt näher, das Wetter dort ist wolkig und regnerisch. Wir kurven
über dem Pazifik ein, die Frasermündung unter uns. Dann sind wir unten.
Reinzukommen nach Kanada war nicht schwierig, kein Interview, wie ich es noch
Jahre zuvor erlebt hatte, nach was wo wohin, danach ob man gedenkt arbeiten zu
wollen etc. Es ging einfach rein, nicht mal das starre Boot machte Aufhebens,
müde hat uns der Zollfritze nur durchgewinkt. Jetzt haben wir wieder unser
Problem. Es ist 11 Uhr morgens, wir sind in Kanada und wissen nicht weiter.
Es ist schön, wenn man nicht zu sehr auf den Dollar schauen muss. Auf der
Anzeigetafel im Terminal wird ein Flug nach Smithers um 13.00 angezeigt. Der ist
im Nu gebucht, $300, Boot sollen wir einfach vor dem Counter liegen lassen, das
würde später jemand abholen. Ein etwas unsicheres Gefühl beschleicht mich, da
mein ganzes Gepäck liegen zu lassen. Aber so einer Tour darf man sich nicht
schon gleich am Anfang ängstigen, bis jetzt klappt doch alles wie am
Schnürchen.
Der Flug nach Smithers scheint der Samstags Shopping Flug zu sein, viele Frauen
mit Einkaufstüten und kleinem Gepäck, manche mit Kindern. Wie bei uns Samstags
der Bus aus der Stadt. Netter Flug das Fraser Valleys rauf nach Watson Lake zum
Zwischenstopp auf einer Buschpiste mit kleiner Hütte als Abfertigungsgebäude -
wir fliegen immerhin Boeing 737, einen nicht ganz kleinen Jet und landen auf
einer Buschpiste! Dann geht's nach Smithers, auch nicht viel größer. Als sie
das starre Boot ausladen, sehe ich, wie knapp das war. Die Jungs haben
Schwierigkeiten, das lange Ding aus der Luke zu bekommen.
Da stehen wir nun wieder in mitten Kanadas, und wissen wieder nicht weiter. Es
gibt in dem Miniabfertigungsgebäude zwei Werbetafeln, einen Helikopterservice
und Central Mountain Air. Nur wo gibt's die. Alle anderen Passagiere sind von
irgend jemand abgeholt worden, nur wir stehen mit all dem Gepäck hier noch rum.
Wir finden Jemand, der uns den Weg zum Büro von Tom weist. Ich bleib beim
Gepäck, Henning soll 2 Kilometer die Runway längs gehen, dort fände er 'ne
Baracke von Central Mountain Air.
Ich warte na ganze Weile. Dann fährt ein Pickup auf das kleine
Flughafengebäude zu und hält neben mir. Der Fahrer Springt raus und fängt an
mein Gepäck aufzuladen und sagt mir, ich soll einsteigen, er fährt mich zu
Base. Na gut. Also, der Fahrer ist jener Tom, Chef der Central Mountain Air, und
Henning hat mit ihm verhandelt: Mit einer Cessna 185 kostet es $1,75 pro Meile
und mit der Beaver $2,40. Bezahlt wird nur für einen erfolgreichen Flug. Mit
der Cessna wurden das $600 sein. Na, wenn sonst nichts ist. Wir Überlegen uns
das noch mal (das war die Zeit, da kostete der $ noch um die 2DM). Tom meint, er
fährt uns erst mal zum Zeltplatz, da können wir uns das ja noch überlegen und
wir müssten ja sowieso noch einiges besorgen. Wir sollen ihm dann Bescheid
sagen, wenn wir loswollen.
Wenn alles so glatt geht, das man auch gleich noch zum Zeltplatz gebracht wird
und da auch wieder abgeholt wird, dann ist die Entscheidung trotz des Preises
schnell gemacht. Was sollten wir auch anderes machen?
Ein Tag Akklimatisation, rumgucken - der Skeena wäre sicher auch ein schöner
Fluss, aber wir wollen Einsamkeit, Proviant einkaufen - Unsere Einkaufsliste ist
völlig unsinnig, was wir auf der Liste haben, gibt es nicht, aber schöne
Dinge, die nicht drauf sind, locken uns. Smithers ist alpines Ski-Zentrum, es
versucht etwas Schweizerisch auszusehen, aber das geht natürlich in Amerika gar
nicht, erst recht nicht hier halb in der Wildnis.
Tom holt uns ab und
staunt doch etwas über das angewachsene Gepäck, 4 Wochen Verpflegung, auch
Trockenfutter wiegt halt was. Am See wird alles in die Cessna verstaut, mein
GFK-Boot an den Schwimmer gebunden, die Schwimmer gelenzt, die Maschine betankt,
und eingestiegen. Henning als alter Segelflieger kommt auf den Kopiloten sitz -
hat da aber nichts zu tun als Karte eventuell zu halten. Nur ganz langsam kommt
die maschine beim Start hoch, erst ein Schwimmer angelupft, dann der zweite,
dann ein Schwimmer ganz aus dem Wasser, das Ufer kommt schon gefährlich nahe,
denke ich, da bringt er auch den zweiten Schwimmer hoch und ganz dicht über die
Uferbäume fliegend gewinnen wir sehr langsam an Höhe.
Eine Zeit noch fliegen wir über dem Skeena, dann geht es über nein in die
Berge. durch manche Bergscharte fliegen wir so tief, dass die Bergflanken fast
zum Greifen nahe sind. Dann kommen wir ins Tal des Klappan River, einem
Seitenfluss des Stikine und unten am Ufer sehen wir die noch nicht fertige
Eisenbahntrasse. An den Seiten sind Berge mit großen Hängegletschern, an deren
Abbruchkanten wir relativ dicht entlang fliegen. Die Wolkendecke hängt
unterhalb der höheren Gipfel durch manches Kar fliegen wir fast im Nebel. Aber
Tom kennt sich aus, kein Blick auf die Karte. Unten lauft eine Karibouherde.
Waldbrandgebiete mit ihren kahlen Spargeln sind bisweilen zusehen. Dann der
letzte Pass, zwei Seen liegen vor uns und als Tom einkurvt zur Landung, erkennen
wir am oberen See 2 Zelte und zwei Kanus und einige verwunderte Paddler, die aus
den Zelten schauen, wer ihnen die Einsamkeit stört. Wasserlandungen sind ein
Erlebnis, das Ausladen noch mehr, wenn eben kein Steg da ist, das Ufer ständig
beim drauftreten abbricht und das Flugzeug immer weg schwoit.
Der Auslade-Slapstick ist vorbei, unsere Paddelkollegen schauen verwundert ob
des nur einen Boots, das andere liegt ja noch im Packsack, Tom dreht und gibt
Gas, hebt schnell ab und verschwindet in den bergen. Wir bekommen einen heißen
Kaffee aus einem großen schwarzgerußten Kessel serviert. Es nieselt etwas, wir
bauen das Zelt auf, räumen das Gepäck weg und blasen den Spezi auf.
Wir machen noch eine Wanderung in die Berge ringsum - es sollte die letzte sein,
nur hier oben ist das Gelände offen, Später ist der Wald so dicht, das
Fortkommen äußerst schwer ist. Und Orientierung noch schwerer.
Etappen:
1 Tuaton Lake
Der Tuaton Lake liegt in einer etwa 1275 m hohen Bergwiesenregion umgeben von
Schneebedeckten und Vergletscherten Zweitausendern. Bis zum Chukachida River
Mündung sind auf einer 75 Km langen Strecke 2 Portagen zu machen. Der Tuaton
Lake selbst ist etwa 10 Km lang. Zwischen Tuaton Lake und Laslui Lake fließt
ein 10 km langer Fluss mit leichten Stromschnellen. Laslui Lake dann hat eine
Länge von 14 km. Der Ausfluss des Sees ist 20-30 Meter breit, für 1500 Meter
befahrbar, dann folgen 1 Km Rapids mit gewaltigen Blöcken in der Mitte des
Stroms und einem hohen Abfall mit sehr verblocktem Unterwasser. Portagiert wird
auf einem Pfad auf der rechen Uferseite. Ein Schild vor einer Linkskurve des
Flusses weist auf die Portage hin. Am Ende der Portage gibt es eine nette
Fläche zum Zelten auf einer großen bewachsenen Felsplatte, die einen schönen,
erhöhten Ausblick auf den Fluss erlaubt. Good Fishing hier, wie die Amerikaner
sagen.
2 Rapids unterhalb des Laslui Lake
Bis zur Mündung des Chapea Creek gibt es 8 km sehr munteres Wildwasser in
einem etwa 50 breiten Flussbett. Eine starke Strömung baut häufig stehende
Wellen auf. Aber weder Treibholz noch Felsblöcke trüben hier das
Fahrvergnügen. Auch weitere 3 Km nach der Mündung des Chapea Creek fließt der
Fluss so munter weiter, bis er sich wieder durch Fels gräbt. In Flussführern
werden die hier liegenden Rapids zur Umtragung empfohlen, aber mit einiger
Wildwassererfahrung wird man eine Fahrtroute durch die an- und überspülten
Felsriegel finden, die etwas an die Scheibum der Ammer erinnern - aber nur ganz
entfernt. In den nachfolgenden 500 Metern geht's noch durch einen kleinen Canyon
mit Presswassern. dann treten die Felsufer zurück, es geht wieder durch Wald.
Die folgenden 7 Km bringen weiter die übliche Abwechslung zwischen munterem
dahinfließen und den stehenden Wellen auf den Kiesbankschwällen durchsetzt mit
rundgeschliffenen Felsen.
Dann folgt der rosa Granit Canyon, dessen Wände 12-15 Meter hoch aus Granit
und Sandstein aufragen, auf einer Länge von etwa 1200 Metern. Wieder
Presswasser und stehende Wellen, die aber einfach zu durchfahren sind. Nach nur
kurzer Zeit oder Strecke kommt dann die Mündung des Metsantan Creek. In der
Nähe der Mündung lag früher die erste Siedlung der Caribou Hide Indianer.
Ursprünglich von der Bear Lake Region kommend kamen sie hierher auf der Suche
nach einem Siedlungsplatz fernab von alten Streitereien und Saufgelagen. Bis zum
1.Weltkrieg waren sie hier, dann wanderten sie den Metsantan weiter herauf und
später ins Iskut-Gebiet.
3 Caribou Hide
Jetzt folgen 32 km relativ gemütliche Paddelstrecke vorbei an Chili Creek
und Adoogacho Creek bis zur Mündung des Chukachida River. Auf der Strecke gibt
es eine ganze Reihe schöner Zeltmöglichkeiten. Jetzt an der Mündung ist man
auf ungefähr 1065m über Meereshöhe. Ein Blick in die Landschaft führt über
Mt. McNamara und Mt. Albert Dease in der Stikine Range. Von hier sind es noch
190 km bis zur Straßenbrücke des Stuart Cassier Highway. auf denen der Stikine
durchschnittlich 2,3 Meter pro Kilometer fällt. Erst mal ist die
Fließgeschwindigkeit auf den nächsten 10 Km ziemlich gemütlich, doch dann
beschleunigt er für die nächsten 23 km auf um die 10 Stundenkilometer mit den
üblichen netten stehenden Wellen. Viele nette Zeltplätze gibt es auf der
Strecke. Einen davon wählen wir.
4 Spruce Hill / Mt. Albert Dease
Wenn der Spazisi River mündet, gibt es phantastische Ausblicke ins
Spazisital und auf die Highlands. Die Kiesbank gegenüber der Einmündung lädt
ein zur Mittagsrast oder gar zum Zelten. Wenn nicht grad ein Schauer hernieder
prasselt. Aber kein Schauer dauert lang, rasch wechselt der Himmel wieder die
Farbe und die Wolken machen der Sonne platz. 3 Kilometer weiter befindet sich
ein Outfitter Camp mit Anlegestelle, vielleicht dümpelt auch eine Cessna
vertäut am Ufer. Liegt keine da, sei vorsichtig bei Motorengeräusch,
vielleicht landet gleich eine hinter dir, der Fluss ist breit und ruhig genug.
Dies ist die einzige ein bisschen zivilisierte Stelle hier am Fluss, mit Funk,
von der aus man bei Problemen Hilfe anfordern könnte.
Der Spazisi selbst kann auch als Start für eine Tour gewählt werden,
allerdings fehlt dort ein See für leichte Landung und Start eines Flugzeuges.
Der Stikine vergrößert jetzt sein Bett. Nachmittägliche starke Wind
flussaufwärts, typisch für die großen Flüsse, muss man nun einkalkulieren,
denn der offene Fluss bietet wenig Schutz. Kanus und Gummiboote spüren das
besonders.
5 Mitte der Strecke Spatzisi R. - Pitman River
16 Kilometer nach der Spazisi-Mündung engt der Juwel Canyon die Wasser des
Stikine 2 km lang auf 100 Meter Breite ein. 4 Meter hohe Kies-Ufer säumen den
Fluss - es ist kein richtiger Canyon. Besonders bei Befahrung in der
Nachmittagszeit erschließt sich dem Paddler schnell der Grund für den
Klunker-Namen: die westlich stehende Sonne schickt ihre Strahlen so, dass jede
kleine Welle reflektiert und juwelenartig glitzert. In einer Beschreibung der
Parkverwaltung wird eine Fahrtanweisung gegeben, die mich an die Beschreibung
einer 4+ Stelle (Ulmicher Walzen im DKV-Führer 1979) auf der Trisanna erinnert:
die Fahrtrichtung muss mehrfach gewechselt werden hieß es für die Trisanna.
Hier für den Stikine im Juwel Canyon heißt es: Große Felsen verursachen hohe
stehende Wellen und starke Walzen. Es sollte erst rechts gefahren werden, dann
scharf zum rechten Ufer wenden, um die schwierigste Passage zu umfahren - but
before: scout it out! Alles halb so wild - für wen haben die diese Führer
bloß geschrieben - wie gesagt, das fieseste an der Stelle ist nur das blendende
Glitzern der Wellen. Die im Flussführer empfohlene Portage auf
Wildwechselpfaden ist unnötig.
4 Kilometer sind es dann noch bis zum Pitman River, weiterhin hält der
Stikine seine hohe Strömungsgeschwindigkeit. Weiter 4 Kilometer führen in den
Schreiber Canyon, wo ein felsiges Steilufer auf der rechten Uferseite im Fluss
höhere stehende Wellen erzeugt. Links geht's ohne Probleme durch den
Lieferanteneingang. Noch 90 Kilometer bis Beggerlay Creek und nur mäßige
Schwierigkeiten mit Kiesbankschwellen.
6 oberhalb McBride River
2,5 Km oberhalb der Mündung des McBride Rivers gibt's eine Hütte bzw. ein
Camp der BC-Forstverwaltung. Der Fluss bleibt breit und einfach paddelt es sich
weiter bis zum Baggerlay Creek der in Kaskaden von rechts in den Stikine
mündet. Gleich nach seiner Mündung folgt der Goat Canyon, in dessen Eingang
sich eine Stufe schiebt die nur 3/4 links eine große Stromzunge zur Durchfahrt
bietet, bei dem Wasserdruck des eingeengten Stikine eine nicht ganz einfache
Frage, ob man eine Befragung wagt. Was danach kommt, ist schwierig zu erkunden.
Alle Führer empfehlen eine Portage am linken Ufer. Trotzdem wird die Portage
linksseitig von allen als eine Tortur beschrieben. mehrfach muss am 1 Km langen
felsigen Ufer rauf und runtergeklettert werden. Ein Befahrungsbericht beschreibt
solch eine Aktion eines sehr ängstlichen Kameraden: Mehrfach musste er die
Strecke machen - das ist normalerweise bei üblicher Ausrüstungsmenge
selbstverständlich - aber er trug immer noch einen schweren, sperrigen
Bärentöter mit sich rum - der Bär könnte ja schon auf ihn lauern.
Schon
früh muss man sich bei der Anfahrt für ein Ufer entscheiden. Ein
Auskundschaften der Canyon-Strecke läst sich meiner Meinung nach besser vom
rechten Ufer aus machen, dann ist allerdings der reißende Beggerlay Creek zu
überwinden. Auf dieser Flusshälfte ist aber die Eingangsstufe nicht zu
befahren, die sichelförmig im Fluss liegt. und die Beggerlay Creek-Mündung als
Landeplatz ist zu weit flußab, um hinterher den Fluss nach links zu
traversieren, um dort zu portagieren oder die Schwalldurchfahrt zu machen.
Rechts ist ein völliges Umtragen wegen der Dichte des Waldes und der
Felsklippen und Steilabfälle am Ufer praktisch nicht machbar. Mann kann
allerdings die Eingangsstufe umtragen, wenn man vorher die aufwendige Querung
des Beggerlay Creek bewerkstelligt. Die folgende Canyon Strecke mit hohen
stehenden Wellen, die von Ufer zu Ufer reichen, schweren Presswassern und
Kehrwassern, Stromverschneidungen etc. muss man dann bewältigen. Befährt man
auch die Eingangsstufe, muss man äußerst darauf achten, in der Mitte der
Stromzunge zu fahren. Gewaltig sind die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen
Strom und Kehrwässern. Löcher, Verschneidungen, Schrägwalzen beuteln den, der
nicht Ideallinie fährt. Aber fahr mal Ideallinie mit schwer bepacktem Boot und
eventuell noch Deckslast. Wenn sich der Canyon nach 1 Kilometer öffnet und der
Fluss weitere 1,5 Kilometer hinter sich gelassen hat, mündet von links der
Klappan River, an dessen linken Ufer die halbfertige Eisenbahnstrecke entlang
führt. Heute wird sie von allradgetriebenen Pickups befahren, um weiter in das
Spazisi-Parkgebiet zu gelangen. Die Mündung des Klappan wird am Stikine durch
die unfertige Eisenbahnbrücke markiert. Rechts auf dem Stikine-Ufer nach der
Klappanmündung unterhalb der Eisenbahntrasse auf einer Kiesfläche war eine
große Walderdbeerenfläche - Abwechslung fürs Müsli und Grund zum Campieren.
7 Mündung Klappan River
3 Kilometer unterhalb der Klappanmündung durchfließt der Stikine noch einen
kleinen Canyon, empfohlen wird die Durchfahrt linksseitig. Noch sind es 18
Kilometer bis zur Brücke des Stuart Cassier Highway, Endpunkt für die
Befahrung des oberen Stikine. Wir campten auf dem linken Ufer oberhalb der
Brücke, ein kleiner Track führt vom Highway zum Fluss gut für einen Pickup.
8 Brücke Stuart Cassier Hwy
Was gibt es an der Brücke: das Problem, wie komm ich um den Canyon. Wie geht
es weiter. Wenn man ohne eigenen Wagen reist, muss man sich einen besorgen. Wir
hatten aus einem deutschen Führer entnommen, dass man wohl entweder nach Iskut
oder nach Dease Lake trampen müsste, um einen Transport zu organisieren. Also
blieb einer von uns bei den Booten und wartete, der andere trampte Richtung
Iskut - zum nächsten Roadhouse. Dort fragte er die Wirtin, ob sie jemand
wüsste, der uns nach Telegraph Creek bringen könnte. Und sie wusste jemanden.
Kurz angerufen und dann kam er, sagte aber er müsse noch die Shocks an seinem
Pickup wechseln, dann könne es losgehen. Shocks wechseln? Ja, die Stoßdämpfer
auswechseln. So mal eben. So geht das hier eben - so mal eben schnell, da liegt
ja noch ein Wrack im Garten, da sind noch ein paar gute drin...
Unser Chauffeur war Tom D. Black. Er hat mal früher die Hudson Bay Station
in Telegraph Creek geleitet, also den Trading Post oder den besser gesagt den
Dorfladen. Der gehörte der berühmten Hudson Bay Company, heute noch Betreiber
der großen "The Bay"- Kaufhausen in den großen Städten Kanadas. Als
The Bay sich zurückzog, wurde in Telegraph Creek aus dem Haus das River Song
Cafe. Und Tom macht nun in Organisation und Betreuung von Großwildjagden - für
crazy Europeans, die dann mit den Indianern Bären oder Elche jagen können.
Bären, Elche....so ein Transport ist da ein willkommenes Zubrot.
Für den, der am Stikine wartete, wurde es recht lang, aber endlich kam der
Truck. Es wurde aufgeladen. Und vertäut und abgefahren.
Der Canyon ist 95 km lang und bis damals noch nicht befahren worden.
Das Gefälle beträgt im Canyon zwischen 7m/km und 15-20m/Km, die Wände des
Canyons sind 300-400m hoch; Es gibt Engstellen von weniger als10 Metern, durch
die das ganze Wasser schießt, das sind 600 bis 1000 Kubikmeter /sec. (Zur
Befahrung des Canyons siehe Internetseiten des AKC).
Wir fahren erst mal auf dem Stuard Cassier Highway nach Dease Lake und
versorgen uns im Store mit einigen Dingen, die nach 14 Tagen Fahrt zu ergänzen
waren. Dann geht es ab vom Highway auf den abenteuerlichen Gravel Road nach
Telegraph Creek. Bald sieht man im der Ferne die Berge der Boundary Ranges und
die Coastal Mountains. Die Zeit für den Weg nach Telegraph Creek sollte
nicht zu knapp bemessen werden. Der Weg ist zum Teil sehr steil, gewunden und
schmal, wenn es zum Tuya-River runter geht, sind 20% und mehr Steigung drin.
Dort ist auch - so wird berichtet - eine erste Möglichkeit, die Fahrt zu
beginnen. Der Nebenfluss hat sich - wie der Stikine - auch einen Canyon
gegraben. Und tief unten rumpelt der dem Stikine entgegen.
Es geht noch wieder rauf und nach einiger Zeit kommt der weg durch das
Indianerreservat und windet sich dann nach Telegraph Creek herunter. Von oben
sah man damals das neue Blechdach des River Song Cafes blinken. Unten liegt der
ort dicht zwischen Fluss und Felswand schmal eingeklemmt. Wir laden ab, bezahlen
Tom, der im Cafe noch vorbeischaut und den neuen Besitzern noch erzählt, das er
den Trading Post früher mal geleitet hat - und bauen unser Zelt auf. den Tag
beschließen wir mit einem mexikanischen Abendbrot im River Song Cafe.
9 Telegraph Creek
Die Tour beginnt in dem noch immer engen Canyon, der Fluss fließt
schnell. Man ist versucht, auf dem Gegenufer den Telegraph Trail zu suchen, der
vom Mount Edziza herunterführt. Doch man wird ihn schwer finden. Irgendwo
führt er den Mess Creek hinauf, aber er beginnt an einer anderen Stelle
gegenüber von Telegraph Creeek.
Was ist eigentlich Telegraph Creek?
Da war mal die Idee, eine Telegraphen- (Morse, später Telefon) Leitung von den
"lower 48", also den unteren 48 Staaten, nach Europa über Kanada,
Alaska, Sibirien, Russland nach Europa zu bauen. Weil man mit Dampfbooten
irgendwie bis nach Telegraph Creek, also bis der Canyon die Weiterfahrt
endgültig blockiert, kommen konnte, um Material bis dahin zu transportieren,
wurde dort ein Construction Camp aufgebaut. Und am Telegraph Creek ging die
Leitung dann wieder auf das Plateau zurück, nachdem sie am Mess Creek vom
Edzizaplateau herunter gekommen war. Gleichzeitig, da mit Raddampfer erreichbar,
war Telegraph Creek das Hintertor zum Klindike. Man musste sich dann nur zum
Dease Lake durchschlagen, dann bis zum Liard auf dem Fluss etc.
Buck's Riffle, Tree Sisters, Bad Rapids, sind die Knackpunkte des Tages. Doch
der Reihe nach. Es ist nicht viel Komfort, der einem beim einsteigen in
Telegraph Creek geboten wird. Nur ein schmaler Streifen am Fluss lässt wenig
Platz zum packen. Und auch am Ufer zieht der Fluss mit ungehinderter Strömung -
professionelles Einstegen ist notwendig. Noch kachelt der Fluss in dem engen
Tal, das von Felswänden begrenzt wird. Bald nach dem Start mündet der Mess
Creek von Süden. Bis Glenora sind noch einige Zivilisationszeichen zu sehen,
die Gegend hier war zu Goldrush-Zeiten gut und ist auch jetzt noch schwach
besiedelt. Es gibt im Flussverlauf einige Rapids, allerdings kann man ohne viel
Probleme alles leicht bewältigen. Die Three Sisters erinnern an ähnliche
Felsen im Yukon, 3 Felsen schräg im Strom verteilt und natürlich angespült -
aber schon durchschnittliches Fahrkönnen erlaubt ungefährdete Passage. Gleich
danach folgen die Bad Rapids, Doch auch hier ist der Name wohl eher von den
Steamboat-Captn's kreiert worden.
Glenora ist heute nur noch dadurch zu erkennen, dass vereinzelt Cabins und
Hauser durch den Buscvh zu sehen sind und dass eventuell einige Leute am Fluss
stehen und fischen - einst standen hier Zelte und Hütten von 5000 Leuten
(1898). Nach den Hudson Flats findet sich dann ein netter Zeltplatz,
leider hat mein Boot beim Autotransport gelitten; es leckt ein wenig, weil von
der Ladekante des Pickup das Polyester in der hinteren Hälfte durchgerüttelt
wurde. Eine Polyester-Sitzung ist heute Abend notwendig, um das Loch zu stopfen.
10 unterhalb Glenora
Man kommt immer näher an die Küstenberge, die mit Ihren Schneekappen, den
alpinen Felstürmen und den Gletschern die Kulisse bereichern. Bemerkenswerte
Punkte im fluß sind Dutch Charlie Rapids, die Mündung des Chutine River, der
doch einiges an Wasser dazu bringt und es ist sicher ganz interessant an seinem
Ufer ein Stück hinauf zu wandern: 10 Km einwärts ist ein altes
Goldminengelände in manchen Führern erwähnt - wir sind allerdings daran
vorbeigeschaukelt. Mit der Mündung des Chutine Rivers verzweigt sich auch der
Stikine und hat etliche größere Kiesinseln, bis schließlich die Grand Rapids
auftauchen, je nach Wasserstand problemlos. Der rechte Arm, Steamboat Channel
wurde einem alten Schaufelraddampfer, der Hazel B, zu Verhängnis, deswegen der
Name.
11 Devils Elbow / Klootchman Canyon
Zeltmöglichkeit gab's am Klootchman Canyon. Der Blick in die Berge ist
großartiger geworden. Dafür ist die Fahrt auf dem Fluss wenig aufregend. Viele
große Kiesinseln. Manche bewachsen mit Wald. andere Überhäuft mit Logjams -
also angetriebenen Bäumen. Devils Elbow ist ein großer Berg auf der linken
Flussseite, der den Blick lange einfängt. In der Ferne taucht der Little Canyon
als felsige Einengung des weitgefächerten Stikine auf. Ab und an kommen große
Aluminium-Schüsseln mit 2 großen laut dröhnenden Außenbordmotoren vorbei,
besetzt mit einer ganzen Ausflüglergruppe und einer riesigen Kühltruhe für
Budweiser, Hotdogs und Hamburgern: Und kurz vor dem Erreichen des Little
Canyon winkt uns so eine Ausflüglerfamilie vom Ufer aus heran, und läd uns
ein. Wir haben kaum unsere Bootsspitzen in den Ufersand gebohrt, da sind in
unsere Hände schon Bierdose und Hotdog gesteckt. Wir haben das Boot noch nicht
verlassen und wir sind schon eingeladen. Na schön, das schont den Proviant -
müssen wir verhungert aussehen.
Wunderbar - mal was anderes als eingeweichtes Trockenfutter, Müsli und Tee.
Man bewundert uns, dass wir mit den kleinen Booten unterwegs sind, ganz aus
Deutschland - einer der Jungs ist natürlich auch mal mit der Army dagewesen.
Tough. Und was wir machen wenn wir umkippen.... Dumme Frage, tun wir nicht
Völlig satt nach einigen Hamburgern und Hotdogs und diversen Budweisern
verabschieden wir uns und fahren weiter. Bestes Fotografierwetter und schönes
Panorama. Langsam mit gezückter Kamera lassen wir uns in den Canyon
reintreiben. Aus einem Tours-Magazin-Bericht weiß ich daß die Autoren dort im
Faltboot gekentert sind. Aber bis auf größere Presswasserteller sieht es
harmlos aus. Ich treibe quer herunter, ganz easy. Fotografiere noch, pack die
Kamera in die Tasche und schließe dann Fotobeutel und Luke als eine Windbö auf
mich zu fegt. Man sieht es an den feinen Wellenriffeln auf dem Wasser. Im selben
Moment, als die Bö mich erreicht, plumpse ich auch von einem Presswasserteller
in die Verschneidung zwischen zwei Presswassern. Das Paddel lag schräg neben
mir auf dem Boot und kann es gerade noch mit einer Hand greifen, damit es nicht
abhaut... da kippt mich dieses blöde Presswasser, ich hab das Paddel nicht
richtig im Griff, es schlägt unters Boot und zeiht mich mit.... Gurgelnd und
blubbernd verschlingt mich das Wasser. Irgendwie versuche ich das Paddel richtig
zu greifen und eine, eine zweite Rolle anzusetzen, das Gepäck auf dem Heck
behindert mich, das Paddel ist nicht richtig in der Hand, alles misslingt, ich
habe heute auch den Neo nicht an, nur Jeans, Norwegerpulli, aber das es kalt
wäre, merke ich nicht. aber an Land schwimmen geht nicht, der Canyon ist wie
eine Floßgasse und spült alles in die Mitte. Sch....
Henning ist weit weg, zwar oberhalb von mir, hat aber nichts mitbekommen.
Merkt auch jetzt nichts. Mir hat es einen Turnschuh beim aussteigen ausgezogen,
ich drehe das Boot um, um das Herausschwemmen von Ausrüstung zu unterbinden und
schwing mich irgendwie drauf, aber die Kiste ist randvoll. Hennig bekommt mit,
was los ist und zieht mich an Land in eine kleine Felsnische im Canyon.
Ausleeren des Bootes geht schnell, praktisch nix ist abgeschwommen, selbst der
Schuh findet sich wieder. Und nass geworden ist auch fast nix. Nur 'ne
Knäckebrottüte hat Feuchtigkeitsspuren Jetzt nachdem alles ausgeleert
und die Ausrüstung einigermaßen durchgesehen und trockengelegt, das Boot
wieder mehr oder weniger gepackt ist, beginne ich die Kälte meiner nassen
Klamotten zu fühlen und beschließe meinen Neopren-Longjohn anzuziehen.
Verkehrte Welt.
Wir paddeln noch ein Stück bis zu einer Jagd-Cabin und beschließen unser
heutiges Abenteuer. Bemerkenswert: Rund um die Cabin liegen Mottenkugeln
verstreut. Als Tom, unser Fahrer, uns erzählte, das Mottenkugeln Bären
fernhalten, dachten wir es sei Trapperlatein. Hier war nun der Beweis.
Die Hütte war eine gute Gelegenheit, meine nassen Klamotten zu trocken. Ein
bisschen hat mich das Erlebnis auf die realen Tatsachen einer solchen Tour
zurückgeholt. Durch Unaufmerksamkeit einen Fehler gemacht. Auf Hilfe eines
Kameraden angewiesen. Bei einer Solotour wahrscheinlich völlig aufgeschmissen.
12 Cone Mtn.
Hier beginnt sich der Fluss wieder stark zu verästeln. Bald mündet
der Scud River, der zwar recht mickerig über den Kies in den Stikine
plätschert, aber doch ein ganz anständiges Tal ausgewaschen hat. Bald gibt es
die letzte Schnellen und Wellen bis zur Mündung, es folgen viele große
Kiesinseln und es bietet sich ein großartiges Panorama dort, wo die Inseln nur
minderen Bewuchs aufweisen. Auf den Kiesinseln, besonders an den angeströmten
Enden häufen sich Verhaue aus grauen, verwitterten riesigen Baumstämmen, wobei
immer mal wieder einer bedrohlich oszilliert, wenn er noch halb im Wasser hängt
und die Macht des Wasserdrucks versucht, ihn mitzureißen. Andere Inselsysteme
bilden Flussarmlabyrinthe in dichten Urwald, so dass eine
Orientierung schwierig scheint, denn immer wieder ist ein solcher Arm
plötzlich verrammelt mit Treibgut. Heute erreichen wir den Flood Glacier, der
erste große Gletscher, der fast an den Fluss heranreicht. Bevor wir uns
niederlassen, wollen wir noch zum Kalbungssee laufen. Durch relativ trockene
Bachbetten kommt man dorthin. Die Steine im Bach weisen eine rostbraune Färbung
auf, es scheint, dass im Geltscherbereich eisenhaltiges Gestein vorhanden sein
muss. Wir schaffen es bis weit oberhalb der Endmoräne zu laufen und haben einen
schönen Blick ins Stikine-Tal. Das war bisher nicht möglich, denn überwiegend
ist das Tal so dicht bewachsen, dass ein Fortkommen nicht möglich scheint.
13 Flood Glacier
Der nächste Tag führt uns wieder bei hervorragendem Wetter durch die
gewaltige Bergkulisse mit vielen vergletscherten Gipfeln. An den Flanken der
Berge donnern unzählige Wasserfälle herunter, deren Wasserfächer auf den
blanken Felsflächen in der Sonne glitzern. Einmal schwimmt ein merkwürdiges
braunschwarzes Stoffkissen auf uns zu. Erst beim näherkommen bemerke ich, dass
es ein Schwarzbär sein muss. Da Bären schlecht sehen und ich in Lee
angedümpelt komme, merk er lange Zeit nicht, dass er unaufhörlich zu mir
treibt. Umständlich versuche ich meine Kamera schussbereit zu machen - aber das
Tele verklemmt sich - als ich dann endlich soweit bin, hat auch der Bär
gemerkt, was los ist und sucht das Weite, paddelt geschwind Richtung Ufer wo er
mir den Hintern zu wendet und im Dickicht verschwindet. War nix mit Bärenfoto,
mir gelang nur das Portrait eines Bärenhintern. Jack Wilson Creek, Anuk River,
Porkupine River münden von links, dann folgt von rechts der Sterling Creek, wir
im Fluss merken allerdings häufig nicht, was da reinkommt, denn dank der vielen
Nebenarme ist es weiterhin recht unübersichtlich. Nur die Navigation jeweils
zum Hauptstrom bewahrt vor Fehlern. Neuerdings sollen dort gefährliche Bäume
sogar mit Kettensägen entfernt werden, damit sich Motorbootler nicht verletzen.
An der Mündung des Anuk gab es in historischer Zeit die erst Niederlassung der
Hudson Bay Companie (1866).
14 Mud Glacier
Mud Glacier ist liegt etwas zurück in einem Seitental und besitzt einen
größeren Kalbungssee, der ab und an wohl mal überläuft und Überschwemmungen
verursacht - ansonsten ist sein Name aussagekräftig: er ist ein recht
schmutziger Gletscher. Die Namensgebung geht wohl auf John Muir zurück, wie
auch der Great Glacier seinen Namen von ihm bekommen hat. Auf der heutigen
Tagesetappe bis zum Iskut River passieren wir auch den besagten Great Glacier.
Er ist der größte im Stikine-Tal und sein Kalbungssee füllt den gesamten
Talkessel vor dem Gletscher aus, so dass eine Wanderung zu Gletscherzunge nicht
möglich ist. Der Weg vom Fluss zum See ist allerdings recht kurz. Zu fixiert
waren wir auf den besuch des Gletschers; und zu unwissend dazu. In unseren
Führern stand nichts von den warmen Quellen gegenüber vom Gletscher am linken
Stikine-Ufer. Man muss schon einen der kleinen linken Seitenarme nehmen, lange
bevor man rechts zum Gletscher hoch wandern kann. (für alle, die jetzt
hinfahren, rate ich den Flussführer von Jennifer Voss zu Rate zu ziehen).
Zum Great Glacier ist noch folgende Geschichte zu erzählen. Früher ging die
Gletscherzunge weiter ins Tal hinein und blockierte immer wieder im Winter den
Stikine. wenn dann im Frühjahr die Indianer mit ihren Kanus zur Küste paddeln
wollten mussten sie warten bis sich das Wasser des Stikine einen Tunnel durch
das Eis geschmolzen und gefräst hatte. Nun sind Männer nicht immer 'ganze
Kerle' und es war schon eine Mutprobe, mit dem Kanu durch diesen neuen Tunnel zu
fahren - er konnte ja noch nicht völlig durchgebohrt sein. So setzten diese
Mutigen Indianer den ein Kanu mit alten Frauen in den Fluss und ließen sie
voraustreiben - wenn sie heil auf der anderen Seite ankamen, war der Fluss im
Gletscher schiffbar - nett, nicht?
Bald nach dem wir von unserer Wanderung zum Gletschersee zurückgekommen sind
und weiter paddelten, hörten wir laute Maschinengeräusche wie von einer
großen Autobahnbaustelle - sehr befremdlich nach den vielen Tagen purer Natur.
Beim näherkommen an die Iskutmündung stellen wir fest, dass hier das Tal
bereits fest in der Hand der Holzindustrie ist. (1988! heute ist sicher alles
wieder anders... damals war das die einzige Stelle, an der wir was von
Kahlschlag sahen)
Wir suchten uns nach der Krachecke einen Zeltplatz auf einer höheren
gemütlich ausschauenden Kiesinsel. Als das Zelt schon steht und das Menü schon
brutzelt, kommt ein Motorboot vorbei und der Fahrer warnt uns, das heute nacht
der Fluss ca. 1 Meter höher steigen wird. Na ja. Unser platz wird wohl gerade
reichen - das ist schon die höchste bezeltbare Stelle der Insel.
15 Iskut River
Der Fluss ist heute sehr viel höher als gestern. Doch es ist noch etwas
Freibord übriggeblieben. Vom Zeltplatz aus hat man einen schönen Blick in den
großen Talkessel mit der Mündung des Iskut. Hier macht es den Eindruck, als
sein der Iskut noch größer als der Stikine. Sicher, es trügt.
Vom Iskut wird gesagt, dass er wegen einer großen, noch unzugänglicheren
Schlucht unterhalb des Stuart Cassier Highway unfahrbar sei. So von der
Straßenkarte aus macht er ja den Eindruck, als müsste das auch ein lohnendes
Ziel sein, denn man kommt ja einfach an seinen Oberlauf, den See. Der Highway
lauft da ja dran lang. Man erzählte uns das es mal eine britische Expedition
mit der Befahrung versucht hätte, sie hätten allerdings 14 tage für das
Umtragen der Schlucht gebraucht.....
Bald nach der Iskut-Mündung wendet sich der Fluss ganz nach Westen und
strebt dem Pazifik zu. Kurz davor taucht auf der rechten Seite ein weithin
sichtbares Holzhaus auf: das kanadische Boundary House, die Zollstation der
Mounties.
Dann kann man auch dei grenze erkennen. Ein breiter Kahlschlag lauft den Berg
rauf. Bald mündet auf der linken Flussseite ein grüner sauberer Strom. Lange
lässt sich sein Wasser noch im Braungrau des Stikine-Wassers verfolgen. Es ist
der Red oder Clearwater Slough. bald nach seiner Mündung - wir sind jetzt auf
US-Amerikanischem Gebiet - steht die erste Hütte des Tongas National Forrest
Service. Es sind für Alaskas Forrestservice typische Nurdachhütten. Im
Untergeschoss sind Tisch, Perolium-Stove, Kochnische, Eine Leiter führt auf den
Boden des zweiten (Kriech-Geschosses, auf dem man ein Matratzenlager einrichten
kann.
Diese Hütte zeichnet ein zauberhafter Blick hinüber ins Iskut-Tal aus.
Traumhaft. Wenn man die Hütte nutzen will, muss man sich vorher beim National
Forrest Service, z.B. in Wrangell anmelden. Die Nutzung ist nicht ganz
billig!...
Wir paddeln nach langer Pause weiter und suchen nach der Einfahrt zu den
Chief Shakes Hot Springs - den berühmten Quellen. Hiervon hatten wir
glücklicherweise eine Beschreibung. Allerdings wählten wird den umständlichen
Weg von untern rauf. Man muss in einem Seitenarmlabyrinth den weg zu einem
schmalen Kanal finden, der dann nach einigen Windungen vor einen
Holzhüttenkomplex führt. Natürlich liegt dort schon ein Motorboot. In
mehreren Hütten sind dort große Holzzuber in einem Holzpodest, in die das
warme Wasser geleitet wird. Die Amerikaner sind ja prüde. Also waren die
Gäste, die vor uns da waren auch korrekt bade-bekleidet. Aber sie verließen
bald das Gelände und wir hatten die Bottiche bald für uns allein. schön warm
war's.
Als wir unser Badevergnügen beendet hatten, tauchte eine neue Bademannschaft
auf, die sich auch schnell anschickte, amerikanische Prüderie fallen zu lassen.
Allerdings: der Colt musste mit in die Badestube. Es könnte ja ein Bär
kommen.....
Wir beschlossen, unterhalb des Badelandes unser Camp für heute einzurichten.
Bald bekamen wir Gesellschaft von anderen Kanuten. Ein Holländer, der in
Whitehorse als Sozialarbeiter für die Indianer arbeitete, mit seinem Sohn und
ein Freund. Sie waren von Telegraph Creek - wo sie ihren Wagen stehen gelassen
hatten - auf dem Wasserweg zu den Queen Charlotte Islands zum Seakayaken. Von
Wrangell wollten sie die Fähre nach Rupert nehmen und dann die nächste Fähre
zu den Inseln. Sie interessierten sich sehr für unsere Boote (komisch)
besonders für den Metzler Spezi L von Henning. Ich erwähnte, dass ich gerne
mein Schiff in Wrangell verkaufen würde, da ich davon gelesen hatte, dass das
schon mal welche gemacht hatten, und ich mein Boot dann nicht mehr umständlich
nach Hause Fliegen müsste. Ja und schon kam der Deal zu Stande. 14 Jahre alter
Nashbau eines Pavel Bone Combi 430 mit Steuer (selbstgepfuscht) findet immerhin
für ein paar hundert kanadische Doller schnell einen neuen Besitzer und bekommt
eine neue zünftige Heimat: es soll bei Freunden auf den Queen Charlottes
bleiben ....
16 Chief Shakes Slough Hot Springs
Weiter geht es zum Shakes Glacier, der Oberhalb des Shakes Lake ein diesen
See kalbt. In den See kommt man über den Shakes Slough, einen erste weiten
Wasserbereich, der weiter oben schmal wird und einiges an Strömung aufweist.
Angeblich soll man u.U. portagieren oder treideln müssen, wir kamen so rauf.
Der Slough endet in einer alten Endmoräne, der natürliche Barriere für die
vom Wind über den See gewehten Kalbeisberge. Hier kann man mit richtigem
Grönlandfeeling zwischen Ganz mächtigen Eisklumpen hindurch paddeln. Nur dass
sie alle auf Grund liegen und so wesentlich ungefährlicher sind als
Grönländische Eisberge. Aber die Farbe stimmt: weis, blau und klar...
Der See selbst ist unspektakulär, einige Wasserfälle donnern von den
Hängen, am Ende schiebt sich weis-grau der Geltscher ins Wasser. Der Rückweg
bietet uns bei langsam verdunkelndem Himmel - es beginnt zu regnen, wir sind
nicht fern der Küste - einen dramatischen Ausblick auf die letzten Bergketten
vor der Mündung in die Inselwelt der Inside Passage.
Wir campen bei der Forrest Service Hütte am beginn des Shakes Slough. Sie
ist nicht besetzt, und das Wetter sehr trüb und verregnet, so okkupieren wir
das Ding mit etwas schlechtem Gewissen und angestrengtem Hören, ob irgendwo ein
Motorboot dröhnt.
Nix dröhnt. Wir machen es uns trotzdem gemütlich, feuern den Kocher an und
trocknen unsere nassen Klamotten. Der Proviant ist nun doch etwas einseitig,
manches Geliebte ist jetzt alle, ein Teil des restlichen Knäckebrot bröselig
und pappig
17 Shakes Glacier Cabin
Der letzte Paddeltag beginnt mit bedecktem Wetter. Wir fummeln uns durch die
vielen Kanäle des Delta, haben glück, dass wir nirgendwo auflaufen und
trockenfallen, denn die Tide ist hier doch recht anständig. Lange überlegen
wir, ob noch Zeit ist für einen Abstecher in den leComte Glacier, aber man
hatte uns erzählt, das Eis häufig die Zufahrt blockiert und dann ist das kein
Vergnügen, da man nichts sieht...
Also wenden wir uns nach Wrangell, paddeln noch durch den hafen und schauen,
wo man sich Zoll/Einwanderungs-mäßig anmelden kann, aber es ist gerade
Niedrigwasser und Aussteigen im Hafen sehr umständlich, also Schiet drauf - wir
fahren zum Campground am südlichen Ortsrand.
18 Wrangell
Ja. man muss sich beim Hafenkapitän anmelden. Der saß damals in dem Haus,
in dem auch das Postamt war. Aber das Gitter am Aufgang zu seinen Büros war
verrammelt. Irgendwo sollte auch eine Telefonnummer zu lesen sein, unter der man
ihn anrufen kann. Aber wir hatten keine Quarters da, die post war auch schon zu
... und: "Shiet op". Machen wir morgen. Morgen war auch das Gitter zu
und im Postamt sagt man uns, dass der Harbourmaster auch heute nicht mehr da ist
aber wir sollten da und da anrufen. Also suchen wir uns 'ne Telefonzelle und ich
muss anrufen. Da bekomme ich aber was zu hören.... Von wegen er hätte uns
schon gestern gesehen und wir hätten die Pflicht, und keine Ausrede und und
und....
Aber dann lässt er sich unsere Pass- und Visumnummern geben und gut
is. Wir treffen unseren Kanadische Holländer und machen den Bootsdeal perfekt,
besuchen den Waschsalon, schauen die Ziemlich "abgewrackte" Stadt an
und die vielen Totempfähle und organisieren unsere Fähre nach Rupert.
Der Rückweg war einfach zu bewältigen: ALaska Marine Highway nach Prince
Rupert - mit gutem Platz auf dem Solarium der Fähre. Das ist das obere hintere
Deck, das zum Teil mit Glas überdeckt ist und mit Heizstrahlern bestückt, und
das Phantastischen Ausblick bietet. Dort gibt es kostenlose Liegestühle, die
man allerdings rechtzeitig ergattern muss. Man kann aber auch sein Zelt im
hinteren Bereich des Decks aufschlagen, das Deck bietet extra
Befestigungsmöglichkeiten für Kuppelzelte. Eins ist gut: als walk-on-Passenger
kommt man mit der Fähre immer mit!
Ähnlich geht es mit den BC-Ferries nach Vancouver Island. zuvor müssen wir
allerdings noch durch die Inquisition der kanadischen Einreisebehörde, aber die
Zöllnerin macht uns hinterher ein Angebot: Sie nimmt uns in ihrem Wagen
(original VW-Beetle) mit in die Stadt, während wir unsere Sachen im
Fährgebäude lassen können. (sie spricht Deutsch und hat verwandte in Bremen,
schön wa?) So können wir den halben Tag Wartezeit vernünftig verbringen.
Auch durch Vancouver Island bekommen wir einfach einen "Lift" - wir
lernen auf der Fähre einen Hamburger Rentner kennen, der uns so nett findet,
dass er uns mit seinem wagen bis zur Fähre nach Vancouver Stadt mitnimmt. Er
selbst hat seinen neuen VW-Bus gleich in die Staaten verschiffen lassen und ist
nun mit seiner Frau 6 Monate im Campingbus unterwegs. damit haben wir auch das
letzte Transportproblem gelöst...
Wunderbar!
STIKINE - Bibliographie
1.) The Stikine River , ISBN 0-88240-133-5
Vol 6, No 4, 1979 $9.95, Alaska Geographic Society, 137 E Seventh Avenue -
VG, Anchorage 99501-3607, Alaska - Fax:278-6582
2.) John Muir : Stickeen
Heyday Books, Berkeley, ISBN 0-930588-48-7 $6.95
3.) Gary Fiegehen Stikine, The Great River
Douglas & McIntyre, Vancouver + Toronto 1991, ISBN 0-88894-736-4
4.) Ulrich Schaffer: Wildnis in uns
Edition Schaffer in Kreuz-Verlag 1989, ISBN 3-7831-1002-5
5.) Leosch Schimanek: Kanada - Alaska, mit dem Schlauchboot durch die
Wildnis
Badenia-Verlag, Reihe Abenteuer heute, Karlsruhe 1995, ISBN 3-7617-0311-2
6.) Diekmann Thieme: Wildnis Privat, der Ratgeber für Kanutouren in Kanada;
Seite 235-249
Verlag Diekmann/Thieme 1984, ISBN 3-9800734-1-6
7.) Ferdi Wenger: KanuAtlas Kanada Band 1: West- & Nordwestkanada Seite
142 - 151
Verlag Diekmann/Thieme 1987, ISBN 3-9800-734-2-4
8.) Jennifer Voss: Stikine River - A guide to paddling The Great River
Verlag Rocky Mountain Books 1998, ISBN 0-921102-57-7 $12.95
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