Autor: Olaf Knoke
Die Ursprünge des Wa’a’s, was aus dem Polynesischem übersetzt Auslegerkanu bedeutet und neudeutsch als Outrigger bezeichnet wird, liegen im westpazifischen Raum. Man vermutet, dass vor über 5000 Jahren, im Chinesischem Meer die ersten Einbäume mit einem Ausleger oder polynesisch Ama versehen wurden, um sicherer und damit weiter auf’s Meer hinauszupaddeln zu können. Die Rümpfe konnten durch diese Erfindung sehr schmal konstruiert werden, so dass sie relativ stabil hohe Geschwindigkeiten erreichten. Nun war es möglich, die gefährlichen Brandungszonen zu überwinden, wobei sie das Surfen auf der Welle „erfanden“. Das Auslegerkanu war die Voraussetzung, weit über 10.000 Eilande in der Südsee zu entdecken und zu besiedeln.
Wahrscheinlich über den Inseln Papua Neuguineas des heutigen Bismarckarchipels, nahm eines der größten Abenteuer der Menschheit seinen weiteren Lauf. Etwa vor ca. 2500 Jahren gelangten die Polynesier, durch Erhöhung der Seitenwände des Rumpfes und Besegelung der Boote, zu den entferntesten Winkel, wie z.B. die abgelegenen Osterinseln, bis sie vor etwa 1200 Jahren Neuseeland entdeckten, wo einige Maori-Familien sogar noch heute wissen, wie der Name des Waka ama (Auslegerkanu) hieß, mit dem ihre Vorfahren anlandeten.
Den hervorragenden Fähigkeiten mit Hilfe der Sterne zu navigieren und Inseln förmlich zu riechen oder durch Veränderungen der Wellenformationen zu orten, war es zu verdanken, dass immer Verbindung auch zwischen sehr weit entfernten Inseln bestand und noch besteht. Zudem ist es ein Irrtum, wenn man glaubt, dass nur große Mannschaftsboote lange Strecken bewältigten konnten. Manche paddelten oder segelten monatelang ganz allein in einem kleinen Auslegerkanu zu neuen oder bekannten Inseln. Die Kursbestimmung ohne Kompass, die auf das Grad genau sein musste, um nicht außer Sichtweite am Ziel vorbeizuirren, war eine der größten Leistungen dieser Seefahrer. Innerhalb dieser Zeit waren Auslegerkanus auf dem halben Erdball als Nutzfahrzeuge nicht mehr wegzudenken, so paddelt man noch heute an der ostafrikanischen Küste, auf den Inseln des Indischen Ozeans und im mittleren / südlichen Pazifik Auslegerkanus verschiedenster Konstruktionen. Die modernen Hochleistungs-Katamarane und Trimarane sowie die großen Doppelrumpf-Fähren haben ihre Ursprünge vom Auslegerkanu. Einige Interessante historische Bilder kann man auf den folgenden WEB-Seiten aufrufen:
DIE GESCHICHTE DES OUTRIGGER-SPORTS
Natürlich wurde wohl schon von Beginn an mit Auslegerkanus zwischen einzelnen Fischern, Familien oder Dörfern Regatten ausgetragen. Später haben Teams benachbarter Inseln sich im Boot gemessen und heute treffen sich Paddler aus der ganzen Welt, um mit diesen Booten Rennen zu fahren. Der moderne Outrigger(OC)-Sport entwickelte sich auf Tahiti (hier heißen sie Va’a) und Hawaii, wo 1908 der noch heute existierende Outrigger-Canoe and Surfboard Club gegründet wurde.
Von dort aus verbreitete sich der Sport in der heutigen Form, über viele polynesischen Inseln hinweg, bis er in den 1950er Amerika/Kalifornien und 1981 Australien erreichte. Weltweit betreiben über 100.000 Paddler OC-Sport, mit einer Steigerung von jährlich etwa 10-15%... Europa: Den ersten Sport-Outrigger brachten Hawaiianer schon 1978 nach Europa, die zur Erinnerung an der ersten Landung Captain Cooks auf Hawaii 200 Jahre zuvor, den Ärmelkanal von Frankreich nach England in einem OC-6, Typ Malia überquerten. Interessant dabei ist, dass damit auch deutsche Olympia-Paddler und dessen Funktionäre für diesen Sport begeistert werden sollten, mit dem Ziel Outrigger-Canoe olympisch anerkennen zu lassen. In England wiederentdeckt und vor allem in Italien und Frankreich etabliert, hat sich dieser Sport erst viele Jahre später. Die französische Szene hat sich mit den ersten Va’a’s ab 1987 am längsten und am weitesten in Europa entwickelt. So wurden in Südfrankreich an der Mittelmeerküste schon ab 1990 Regatten ausgetragen. Deutschland: Erst 16 Jahre! später als damals von den Initiatoren aus Hawaii erhofft, paddelte zum ersten Mal 1994 ein deutsches Team, bestehend aus erfolgreichen Rennkanuten olympischer Disziplinen, bei einer Auslegerkanu-Regatta. Dieses Rennen war die legendäre und 115km über 3 Etappen führende Hawaiikinui-Regatta zwischen drei der Inseln Tahitis. Ab etwa 2000 wurden auch die ersten Outrigger-1er in Deutschland gepaddelt, ab 2003 dann endlich die 6er. Ab 2001 haben deutsche Teams regelmäßig an internationalen Regatten in Frankreich, Italien und sogar beim 72km-Molkai-Hoe auf Hawaii teilgenommen. 2003 fand mit 1ern und 2ern die erste Outrigger-Regatta Deutschlands auf dem Beyenburger Stausee in Wuppertal statt. 2004 gründete sich der erste Outrigger-Club in Deutschland bei Berlin
2005 wurde die erste internationale OC-Regatta aller Klassen in Deutschland
auf der Nordsee vor Bremerhaven durchgeführt. KVU: Im Jahr 2000 paddelten die ersten Paddler des KVU mit einem OC-1 in
Bremen.
2004 beschaffte sich der KVU den ersten OC-6, Typ Mirage (erster
Mirage in Europa) und gründete das OC-Team-Malolo ...Zwischenzeitlich haben diverse private Outrigger ihren Platz im KVU gefunden und das KVU-OC-Team paddelt auf verschieden Regatten... Die Ausleger-Boote kann man grob in 4 Kategorien einteilen, wobei es feine Unterschiede vor allem bei den kleinen Kanus gibt. Es werden 1er, 2er, 4er und natürlich die „Königsklasse“ der OC-6 auf Regatten gepaddelt, wenn’s noch schneller gehen soll, kann man zudem zwei 4er oder 6er verbinden. Bei den 1er und 2er unterscheidet man zum einen die mit oder ohne Steueranlage, sowie Flachwasser bzw. Lagunenboote, außerdem die, für die offene See. Dazu gibt es 1er und 2er, wo man im Boot, oder die, wo man draufsitzt, auch Sit on Top’s genannt. Die modernen Outrigger werden heutzutage aus Verbundkunstoffen, wie GFK oder Kevlar-Carbon hergestellt.
Die 1er sind etwa zwischen 6m und 7m, Die größten OC-Regatten finden auf Hawaii, Tahiti und Australien statt, das imageträchtigste wird wohl das Molokai-Rennen von der Hawaiiinsel Molokai nach Oahu sein, immerhin eine Strecke von 41 Meilen, allerdings werden während des Rennens Paddler gewechselt...
Die neueste OC-Sport-Entwicklung ist, sein OC-4 oder OC-6 mit einem Kite, ähnlich dem des Kite-Surfens zu bestücken, um damit bei gutem Wind eine enorme Geschwindigkeit auf dem Wasser zu erreichen. Auslegerkanus können auch auf eher untypischen Gewässern gesichtet werden, so kann es auch schon mal vorkommen, dass einem auf einen Wildbach in den norditalienischen Alpen oder auf Seen im Südwesten der USA diese Boote begegnen. Weltweit betreiben über 100.000 Paddler OC-Sport, mit einer Steigerung von jährlich etwa 10-15%...
RIGGEN UND AUFRICHTEN EINES AUSLEGERKANUS
Für die einzelnen Bootsteile werden die polynesischen Begriffe verwendet, die je nach Insel variieren (hier hawaiiianisch):
Der OC sollte möglichst immer mit dem Bug (Manu Iho) in Richtung Gewässer zeigen, außerdem wird die Ama traditionell in Fahrtrichtung backbord (links) angebracht.
Der erste schritt des Aufriggens beginnt mit der Befestigung (Es gibt über 30 gebräuchliche Knoten-Varianten) der Iakos im genauen rechten Winkel mit der Ama. Das Tauwerk (`Aha) sollte aus Naturfasern, in 6mm – 8mm Stärke bestehen. Weit verbreitet, sind auch Gummischläuche, die vor allem auf Tahiti bei den Va’as Verwendung finden oder Ratschen, allerdings sind diese weniger zu empfehlen, da dadurch Beschädigungen am Boot nicht ausgeschlossen werden können. Die ama muss genau parallel mit dem Wa’a liegen. Anschließend können die Iakos am Wa’a über den Waes fixiert, und die Neigung entsprechen des Gesamtgewichts hier justiert werden. Dazu werden Holzplättchen oder Keile auf die entsprechende Seite unter den Iakos gelegt. Wer auf Nummer Sicher geht, legt sie auf der Backbord-Seite unter, dadurch neigt das Boot sich zur Ama hin. Wer schneller, allerdings kippeliger fahren möchte, sollte sie an Steuerbord-Seite unterlegen, hier neigt es sich entgegen der Ama. Eine weitere Einstellung kann durch herannehmen oder weiter hinauslegen der Ama erfolgen. Aber Vorsicht, dabei kann es schnell zu einem Huli (Kenterung) kommen.
Die erste Art sich kontrolliert mit einem Einbaum in tieferen Gewässern fortzubewegen, war das Paddeln. Die ersten Hoes wurden wohl aus einem Stück Holz geschnitzt oder man nahm verholzte Pflanzenteile. Später versah man das Stechpaddel mit einem Griff, was die Führung des Hoes wesentlich verbesserte. Einige Paddel wurden sogar zusätzlich als Waffe konstruiert und verwendet.
Mit der Zeit wurden die Hoes immer leichter, stabiler und damit effektiver. Im Outrigger-Sport ist zwar das Holzpaddel immer noch sehr beliebt, aber es werden immer mehr Paddel oder Paddelteile aus Karbon hergestellt. Durchgesetzt hat sich auch die Krümmung der Paddelfläche um etwa 10° bis 15°. Zum Steuern der Mannschafts-Boote werden besondere Steuerpaddel, Hoe uli genannt, verwendet, sie besitzen eine größere Paddelfläche und sind, wenn überhaupt, maximal bis 5° gekrümmt.
Die Paddler im Mannschaftsboot OC-6 haben genau definierte Aufgaben. Die Plätze im Boot werden von vorn (Sitz 1) nach hinten (Sitz 6) durchnummeriert. Die Sitze 1, 3 und 5 paddeln jeweils auf der gegenüberliegenden Seite, wie 2 und 4. Auf dem Sitz 6 hat der Steuermann seinen Platz und kann selbstverständlich seine Seite aussuchen, auf welche er steuert bzw. paddelt.
Auf besonderen Langstreckenrennen kommen Auswechselpaddler dazu, die während der fahrt schwimmend in das Auslegerkanu steigen, während sich die auszuwechselnden Paddler hinausfallen lassen.
Der Paddelschlag lässt sich in 4 Phasen einteilen:
Die Körperhaltung beim Entry sollte mit gestreckten Paddelarm und nach vorn gestreckter Paddelschulter beginnen. Beim Catch und Drive wird etwa gleichzeitig der Paddelarm angezogen und die Paddelschulter etwas nach hinten gedreht und der Paddelgriffarm nach vorn gestreckt. Nach dem Exit wird der Griffarm etwas gesenkt, um das Paddel flachgedreht wieder nach vorn zu bringen, wenn nötig, auch durch die Welle. Die Drehung hat den Vorteil, dass weniger Wind und ggf. Wasserwiderstand auftritt, damit ist es auf Langstrecke effektiver.
Außerdem ist durch diese Paddelführung bei bedarf eine flache Stütze schnell möglich, um ein Kentern zu vermeiden oder die Ama im Surf anzuheben. Wann ist das Auslegerkanu nun ein Va’a oder Outrigger-Canoe?
Die Bedeutung ist eigentlich die Gleiche: Auf Tahiti und den benachbarten polynesischen Inseln bedeutet Auslegerkanu: Va’a. Da nun Hawaii von Tahiti aus vor etwa 1600 Jahren entdeckt und besiedelt wurde, heißt es hier auch Wa’a, erst die amerikanische Kolonialisierung Hawaiis hat den englischen Ausdruck Outrigger-Canoe (OC) bzw. Outrigger (übersetzt Ausleger) dort eingeführt. Im heutigen Auslegerkanu-Sport hat sich die Unterteilung der Bootsarten in Va’a und Outrigger-Canoe etabliert. Die Konstruktion der Auslegerkanus aus modernen Verbundstoffen, hat auf beiden Inselgruppen unterschiedliche Wege genommen.
So werden auf Tahiti geschlossene Va’as mit meist einzelnen Luken für jeden Paddler gebaut, zudem verfügen die 1er und 2er über keine Steueranlage.
Die Va’a-4er und 6er haben ein sehr abflachendes Heck, sowie einen nach oben gewölbten und groß silhouiertem Bug. Dies macht die Boote bei Seitenwind weniger Luvgierig, und durch die Röhrenbauweise leichter.
Etwas traditioneller haben es die Hawaiianer bei den OC-4er und 6er angehen lassen, sie haben sich optisch sehr an das alte polynesische Design gehalten, die sich an die offene Einbaum-Bauweise anlehnt, außerdem unterscheiden sie sich nicht zuletzt durch die traditionellen Manus am Bug und Heck.
Der OC-1er bzw. 2er hingegen, ist in jeder Hinsicht auf Geschwindigkeit und leichte Handhabung konstruiert. Ein Outrigger-Canoe hat im Vergleich zum Va’a-1-2 eine Steueranlage, außerdem sitzt der Paddler auf dem Outrigger (Sit on Top), hierbei ist der Wideraufstieg bei Kenterung ungleich leichter, als der Widereinstieg in einem vollgelaufenen Va’a.
Um die Sache noch unübersichtlicher zu machen, gibt es zudem auch OC-1er bzw. 2er moderner kanadischer Bauart für kältere Gefilde, bei denen die Paddler wie in einem Va’a in Sitzluken mit Spritzdecke sitzen, hier aber über eine Steueranlage verfügen.
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||