Sommerprogramm 2012

KVU INFO Touren

Helgoland-Querung mit dem Outrigger

Es wurde seit langem schon viel über das Paddeln nach Helgoland gemunkelt und gegrübelt, um das Wie, Wer, Womit, Wo lang und Wann etc. Doch erst mit dem Outrigger im KVU wurde diese Idee tatsächlich in die Realität umgesetzt.

Das Projekt hat seit den ersten OC-Touren 2003 auf der Außenweser immer mehr Konturen angenommen und sollte eigentlich schon 2006 im Rahmen des OC-Camps auf der Insel in Angriff genommen werden. Sogar das Fernsehen wollte bei der Erstbefahrung mit einem Outrigger dabei sein. Aber es kam wie es kommen mußte: Das Wetter war einfach gegen uns und das Risiko bei Gewitter auf der offenen See zu Paddeln war zu hoch...also, alles wieder auf den Frachter und statt auf eigenem Kiel, mit der Fähre zurück...

Ein Jahr später August 2007: Das OC-Team wurde immer nervöser, das Wetter war wochenlang nicht gut genug für dieses Unterfangen. Eigentlich sollte es später passend zum OC-Camp’07 auf Helgoland losgehen. Mehrere Tage wurden als Zeitfenster ausgesucht, der dafür nötige Urlaub wurde schon seit Monaten beantragt. Doch dann wurde die Wetterprognose ausgerechnet für den freien Sonntag, eine Woche zuvor als so Ideal für uns vorhergesagt, dass kurzentschlossen alles zusammengekramt und verladen wurde.

 

 

 

Letzte Vorbereitungen

 

Am 5.8.2007 um 6:03 Uhr wurde mit dem sorgfältig Aufgeriggten und nautisch ausgestatten OC-6 in der Grimmershörnbucht von Cuxhaven abgelgt. Die Sonne ging gerade direkt über dem Horizont der Unterelbe auf und wir liefen gemeinsam mit einer Armada von Seglern gezogen vom Ebbstrom der Elbe in die Außenelbe aus.

 

 

Letztes Festland – Kugelbake

Vorbei an dem Wahrzeichen der Stadt Cuxhaven, der Kugelbake nahmen wir Kurs Richtung Neuwerk, entlang des Leitdamms, den man allerdings bei Hochwasser noch nicht erkennen konnte.

Der Wind wurde langsam auch wach und hatte vor Neuwerk etwa Stärke 2-3 und kam aus Süden, wir hatten allerdings noch Kurs West und somit noch nichts davon. Erst als wir bei der Insel Scharhörn, das Fahrwasser in Richtung Großer Vogelsand kreuzten, hatten wir ihn als Rückenwind. Dies war auch eine der Schlüsselstellen der gesamten Fahrt, denn wenn es hier keine vernünftige Lücke zwischen der unter voller Fahrt laufenden Großschifffahrt gibt, hat man ein echtes Problem und man käme sich vor, wie ein Fußgänger auf der Stadt-Autobahn. Doch wir hatten Glück genau am geplanten Punkt kreuzten wir die Heckwelle eines nach Cuxhaven laufenden Frachtschiffes, von dem uns die Besatzung freundlich aufmunternd zugerufen und gewunken hatte. So etwas haben die hier sicher noch nie gesehen, wie es überhaupt immer interessierte Blicke von nebenherfahrenden Booten gab.

 

 

Noch steht der LT-Großer Vogelsand
Als wir die Mittelfahrwassertonnen, des hier in Fahrtrichtungen getrennten Fahrwassers erreichten, hatten wir glücklicherweise freie Bahn rüber zum Großen Vogelsand, wo noch der gleichnamige Leuchtturm steht.
 

 

Das Wrack der Fides voraus

Unser nächstes Pausenziel war aber etwas älter und hatte einen tragischen Hintergrund, das Wrack der Fides, die zusammen mit der Ondo in den 60er Jahren hier gestrandet waren.

Zum Vergleich ein Link: http://ondo.sea-rescue.de/fides_galerie1_de.php 

 

 

Ladebaum der Fides

Fasziniert von den sichtbaren Resten zeigte es uns aber auch, dass dieses Gewässer nicht zu unterschätzen sind. 

Außerhalb des Gefahrenbereichs des Fahrwassers suchten wir uns unsere weiteren Wegpunkte, bis wir die auf Reede liegenden Schiffe sahen, dort war auch unser letztes Seezeichen die Reedetonne 4, danach war bis zur Tonne Düne Süd  nur noch 20km freies Wasser.

Die bisher begleiteten Segler hatten uns schon längst in westlicher Richtung Außenweser verlassen, wir waren auf uns allein gestellt. Der Wind blies mittlerweile mit etwa 3-4 aus Süd und schob uns Richtung der noch weit außer Sicht liegenden Insel Helgoland. Die Sichtverhältnisse waren es, die uns nun immer angestrengt Ausschauhalten ließen.

 

 

Helgoland voraus

Erst etwa 8-9km vor der Insel zeigte sich weit über dem Dunst am Horizont der Richtfunkmast von Helgoland.

Die Euphorie wurde groß, die Wellen allerdings wuchsen mit, da hier verhältnismäßig tiefe und flachen Stellen eng zusammen sind. Aber wir hatten nicht mehr viel vor uns und als wir zusammen mit einigen Seebäderschiffen die Reede von Helgoland erreichten, empfing uns sogar eine Delegation des WSC-Helgoland, die uns mit ihrem Motorboot bis in den Nordhafen begleiteten und uns aufmunternd unterstützten. Denn die letzten 20 Minuten hat die Tide wieder gewechselt und wir paddelten gegen den Strom. Um 12:10 erreichten wir die Hafeneinfahrt und 5min später lagen wir am Steg des WSC fest.

 

 

Am Ziel, der Nordhafen auf Helgoland

Viele Bootsbesatzungen riefen uns zu oder applaudierten sogar, ein wirklich toller Moment für uns. Als wir wieder alle „beisammen“ hatten, konnten wir uns Landfein machen und die vielen Fragen der neugierigen Wassersportler beantworten... wie, wer, womit, wo lang und wann gestartet etc...

Das obligatorische Bier an der Promenade brachte die Erinnerungen an die Querung, Anfang des Jahres von Teneriffa nach Gomera wieder hervor...

 

 

...man weiß ja nie, Schiffe können sinken ;-)

Auf der Fähre ging es zurück nach Cuxhaven und der Outrigger wartet nun auf uns für das folgende OC-Camp auf Helgoland...

Gepaddelt haben:
Sonja Ficke-Schlagfrau, Silke Steph-2. Schlag, Peter Kandsorra-Bank 3, Bernd Dages-Bank 4, Brigitte Czelusta-Bank 5, und Olaf Knoke-Steuermann

 

 

Die Daten:

Abfahrt 06:03 Uhr, Ankunft 12:10 Uhr, Sonnenaufgang 5:45 Uhr, Hochwasser Cuxhaven 05:47 Uhr, Helgoland Niedrigwasser 11:43 Uhr, Wind aus Süd, Stärke 2-3, vor Helgoland 3-4.

Wellenhöhe 0,5m -1m,  vor Helgoland  bis zu 1,2m

Gefahren Strecke: 65,7 km, abgewichen von der errechneten Route 500m (Wrackbesichtigung), 5 Pausen zusammen 45 min.

Nautische Ausrüstung: 1 Magn.-Kompass + ein Uhrkompass als Reserve, 1 Navi mit digit. Gewässerkarte, gedruckte Gewässerkarten, versch. Handys mit versch. Netzen,  schriftl. Liste der Wegpunkte und Richtungen, Eine Bootslaterne, außerdem hatten wir auch etwas Feuerwerk dabei, falls es bis Sylvester gedauert hätte ;-)

Resümee:

Ein Paddlertraum ist wahr geworden - Der erste Outrigger hat Helgoland auf eigenem Kiel erreicht - Alles richtig gemacht und sicher angekommen.

 

Presse
Nordsee-Zeitung  (7.8.2007)
Der Helgoländer (Oktober 2007)


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Erstellt

Überarbeitet 22.12.2010